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Verschwörungsverschwörer

September 5, 2017

Menschen, die eine vom Großkoalitionären etwas abweichende Meinung haben, werden heute gern als Verschwörungstheoretiker abqualifiziert. So wurde jüngst etwa Sahra Wagenknecht in einem Polittalk einer öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalt vom neoliberalen Hamburger Bürgermeister im SPD-Pelz Olaf Scholz als solche bezeichnet, nur weil sie die zunehmende soziale Ungleichheit im Land als Folge falscher politischer Entscheidungen betrachtete und anprangerte. Wem soll man denn eine unbestritten zunehmende soziale Ungleichheit sonst ankreiden? Dem lieben Gott, der dann ja womöglich ein böser wäre? Unbeherrschbaren Naturgewalten? Putin?

Apropos Putin. Das Lustige oder besser Traurige dabei ist, dass die größten Verschwörungstheoretiker genau die sind, die dem politischen Gegner Verschwörungstheoretikertum unterstellen. Oder wie soll man die in Mainstream-Politik und Mainstream-Medien dominierenden Phobiker, die immer wieder davor warnen, die Russen könnten die Bundestagswahl entscheidend beeinflussen, sonst bezeichnen? Geht’s überhaupt noch verschwörungstheoretischer?  Wie sollte Moskau das denn anstellen? Und was hätten die Russen eigentlich davon, wenn wir statt Merkel ihr bärtiges Abziehbild Schulz bekämen? Mehr Wende wäre ohnehin nicht drin. Denn dass es Wagenknecht – mit welcher Hilfe auch immer – schaffen könnte, dem deutschen Mehrheitsmichel die Augen so weit zu öffnen um sein Kreuzchen dort zu machen, wo er vielleicht wirklich was davon hätte, daran glaubt ja nicht mal die CIA. Ansonsten wäre Wagenknecht doch schon längst kalt gestellt oder gar -gemacht und ihre Partei verboten.

Wenn man sich bundesdeutsche Realitäten vor Augen führt, fällt es allerdings tatsächlich schwer, nicht an irgendwelche Verschwörungen zu glauben. Denn aus eigenem Antrieb lieber immer wieder in den gleichen Politscheißhaufen zu tapsen, über den man sich die letzten vier Jahre ständig geärgert hat anstatt mal etwas Neues zu riskieren, ist doch mit gesundem Menschenverstand eigentlich unvereinbar. Da muss doch manipuliert werden.

Anders ist doch nicht vorstellbar, dass es Frau Merkel, diese pastoral-joviale Plaudertasche ohne Visionen, wahrscheinlich zum vierten Mal schafft, uns eine weitere Legislaturperiode in die Irre führen zu dürfen. Warum wird diese ihre politischen Entscheidungen – oder besser Nichtentscheidungen – gerne mit Alternativlosigkeiten begründende treuherzig lispelnde US-Vasallin von den deutschen Leitmedien seit vielen Jahren mehr oder weniger unverblümt als letztendlich alternativlose beste Alternative angepriesen? Was verleitet die Elite bundesdeutschen Journalismus dazu, das zu tun und was vernebelt dem Volk der Dichter und Denker derart das Gehirn, diesem Geschwurbel auch noch zu glauben und mit einem Kreuzchen an der falschen Stelle abzusegnen? Warum fragt z.B. keiner, weshalb unsere Durchschnittrente nur gut halb so hoch ist wie die der Österreicher, wenn es uns angeblich so gut geht wie nie? Ich glaube, mich zu erinnern, dass nicht nur diese Rentenverhältnisse mal umgekehrt waren.

Ok, ich räume also ein, es könnte tatsächlich sein, dass wir in unserer Wahlentscheidung manipuliert werden. Aber doch nicht von Putin bzw. dessen Leuten. Was hätten die Russen von einer Bundeskanzlerin, die im zunehmenden kaltkriegerischen Säbelrasseln Deutschland kritiklos den hegemonialen Missionsgelüsten der USA unterordnet und unsere Heimat denen notfalls sogar als Abschussrampe für ihren Atommüll zur Verfügung stellt, damit riskiert, dass wir im reaktiven oder präventive Gegenschlag verglühen während Gods own Country hoffen darf, wie so oft weit ab vom Schuss zu bleiben?

Die wiederholte Wiederwahl von Merkel ist doch ein schlüssiger Beweis, dass es wenn, dann eben gerade nicht die Russen sind, die unsere Wahl beeinflussen. Orientiert am Ergebnis liegen da doch andere Kräfte viel näher. Aber das will keiner so genau wissen und schon gar nicht aussprechen. Ungeachtet der Tatsache, dass es eben nicht der Iwan sondern Onkel Sam war, der Merkels Telefon abhörte, könnte man da ja als Verschwörungstheoretiker disqualifiziert werden.

Ich empfehle allen, die statt einer glossistisch-verschrobenen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema wünschen, einen gelegentlichen oder auch öfteren Besuch der Nachdenkseiten des enttäuschten Alt-SPDlers Albrecht Müller.

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