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Das Maasmännchen

April 13, 2018

Heiko Maas fiel mir als erstes durch seine ausgesprochen gerade Körperhaltung auf. Das ist, dachte ich politisch nicht ganz korrekt, halt der Versuch eines eher kleinen Mannes, ein bisschen größer zu erscheinen. Inzwischen glaube ich es besser zu wissen. Heiko Maas geht und steht immer so gerade, weil er kein oder kaum ein Rückgrat hat. Ein bisschen aus dem Lot gebracht, fürchtet er, wohl gänzlich umzuknicken.

Einknicken tut er schon jetzt. Denn die vermeintliche Härte, die er nicht nur im neuen „Spiegel“ gegenüber den Russen an den Tag legt, ist ja in Wirklichkeit nichts anderes als stromlinienförmig im US-dirigierten West-Chor mitzusingen. Wenn er da nur als dritte oder vierte Stimme mitsummen darf, will er es wenigsten laut tun. Sonst könnte ihn Trump hinter Macron, May und Johnson gar nicht bemerken.

Was Maas in seiner profillosen Willfährigkeit übersieht oder bewusst ignoriert, ist, dass er damit den Menschen in Europa und speziell auch in Deutschland nichts Gutes tut, sondern sich daran beteiligt, über 20 Jahre erfolgreiche Entspannungspolitik ohne Not immer tiefer in den Sand zu setzen. Er reiht sich ohne plausiblen Eigennutz ein zu denjenigen, die glauben, im stärker werdenden Konflikt mit Russland vom eigenen Unvermögen ablenken zu können. Trump twittert Raketengrüße nach Moskau und keiner redet mehr vom Callgirl, das ihm den Arsch versohlen sollte. Dabei würde er es täglich verdienen. Ob Theresa May auch gern den Arsch versohlt bekommt, am Ende von Boris Johnson, weiß ich nicht. Aber dass sich diese beiden britischen Blindschleichen mit ihrem Brexitdesaster rasant in Richtung Aus geschossen hätten, wenn ihnen nicht die deshalb vielleicht sogar selbst erzeugte Skripal-Affäre zu Hilfe gekommen wäre, ist doch offensichtlich. Und warum Ödipussi Macron plötzlich den harten Kämpfer mimt, der es nicht erwarten kann, Syrien inklusive kollateraler Kinder zu bombardieren, liegt doch auch näher als leitmedial gedacht. Da möge jeder mal selbst sein Hirn anstrengen.

Warum schauen wir da alle tatenlos zu und nehmen schweigend hin, dass nicht nur sämtliche Früchte der Entspannungspolitik sondern womöglich unser aller Leben in den Sand gesetzt wird? Wieviel Bashing sind die Russen bereit, noch zu ertragen und wie weit wird der Westen gehen. Bis es kracht? Ist es das, was wir wollen? Beim Blick in unsere Zeitungen könnte man fast meinen, ja. Wie kalt muss der kalte Krieg werden bis er heiß wird?

Maas hätte nicht viel Rückgrat gebraucht, um die gegenwärtige Eskalationsspirale umzudrehen, zu stoppen oder wenigstens Zeit gewinnend zu verlangsamen. Er hätte auf einer Außenministerkonferenz oder in einem sonstigen relevanten Gremium nur an eine rechtsstaatliche Prämisse erinnern sollen/können/dürfen. Als ehemaligem Justizminister und studiertem Juristen sollte unserem neuen Außenminister doch geläufig sein, dass im Rechtsstaat die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils gilt. Wenn er das vergessen hat oder im saarländischen Studium-Light nie gelernt hat, hätte er ja, bevor er dummes Zeug nachschwätzt, Nachhilfe bei Peter Vonnahme, bis 2007 Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, nehmen können. Der würde ihn aufklären, dass keines der Verbrechen, derer man Russland aktuell beschuldigt, genug beweisuntermauert ist um in einem rechtsstaatlichen Zivil- oder Strafprozess eine Verurteilung erwirken zu können. Aber gegen Russland lautet derzeit offensichtlich die Devise, im Zweifel gegen den Angeklagten. Selbst dann, wenn es Tatverdächtigere weil Nutznießendere gibt.

Offensichtlich geht es unseren Mächtigen gar nicht um Wahrheitsfindung, sondern, aus welchen Motiven auch immer, um Konfliktschürung. Und Maas schürt bereitwillig mit. Wohl auch deshalb, hat ihn ein Linkenpolitiker als NATO-Strichjungen bezeichnet. Das hat viel Empörung hervorgerufen. Selbst in Der Linken, wo einige sogar ein Parteiausschlussverfahren gegen den Schmäher gefordert haben. Dabei hat der doch mit seiner Assoziation wenn, dann eher echte Strichjungen beleidigt. Weil die verkaufen sich überwiegend aus, Maas dagegen ohne Not.

 

Bild (C) Carla Stingl

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